Sonntag, 22. Januar 2012

Ich hoo ma Glooszaüch kafft!

Hach, schöne Heimat! Die gutste Oma hat ja ihr Jubiläum gefeiert in meiner Heimatstadt Lauscha. Ich hab dort zwar nur ein Jahr gelebt (und danach nochmal 5 in der Nachbarstadt), aber ich fühl mich dort sehr zuhause. Die schieferverkleideten Häuser mit den weißen Fensterläden sind so schön, der Dialekt ist die reinste Musik in meinen Ohren und die Glasmacher- und Christbaumkugelkunst kann ich mir stundenlang anschauen.

Natürlich konnte ich auch diesmal nicht aus der Farbglashütte raus, ohne mir etwas gekauft zu haben:

Eine Himbeere als Kettenanhänger  -   weiteres Glasobst wird folgen, es gab noch so viel schönes - Erdbeeren, Pflaumen, Mandarinen...

Die Märbel ist eine Lauschner Erfindung - und es gibt sie hier auch in tausenden Variationen, zum Spielen oder Sammeln (so eine massive Märbel mit 6 cm Durchmesser sollte lieber nicht in Kinderhände gelangen, wenn die geschmissen wird, rummst das ganz schön... :D  )

Da das wunderschöne Thüringer Waldglas, grün aufgrund des hohen Eisengehaltes des Sandes der Umgebung, leider etwas unerschwinglich für mich war, musste eben gelbes Glas her. Jetzt habe ich endlich meine eigene stylische Tasse und muss nicht mehr neidisch sein auf die fetzige Tontasse meines Mitbewohners  :)


Vielleicht ist mir die Begeisterung für Glaskunst in die Wiege gelegt, mein Opa war immerhin Glasbläser, meine Oma hat in der Christbaumkugelfabrik gearbeitet und Lauscha lebt ja von der Glasindustrie - naja, es kreppelt vor sich hin, kaum jemand ist noch scharf auf Glaskunst, und ich weiß nicht, wieso... lieber ne 5-Euro-Ikea-Vase, die jeder hat, oder eben 40 Euro für ein handgemachtes Unikat? Mir würde da die Wahl leicht fallen, wenn ich denn ne Vase bräuchte  :D   Da spricht vielleicht auch die Heimatliebe aus mir.
Wenn ich fürchterlich reich wäre. ich würde Glasbläserei lernen und daheim vor mich hin glasbläsern. Wenn ich das nächste Mal in Lauscha bin, mach ich mir meine eigene Kugel, das kann man in der Farbglashütte nämlich, und dann bin ich stolz wie ein kleines Kind auf seinen ersten Haufen ins Töpfchen und schenk der Kugel einen Ehrenplatz in meinem Zimmer, ach was, ich bau ihr einen verdammten Schrein!  :D

Und auch eine Hommage an den Dialekt darf nicht fehlen. Hier ein Gedicht vom Blaachs-Erwin, der in der Lauschner Mundart zu dichten vermag wie kein zweiter  (:


Die Schuleinführing

Nachbersch Sproß, de Bäzn-Jull,
kömmt se Astern en die Schull.
Jessas, hot daa Knörps a Frääd!
Froh dezehlt'e weit onn bräät,
wos a Schulljong ölls müßt hoo -
onn bei ihn weer dos lengst doo:
A Toofl met poliertn Roond,
(die gitt'e kaum noch aus de Hoond),
dan Lappn, wuu me droo deblickt,
dan hot sei Modder ihn gestreckt.
A Schwomm hengt droo, gor net so winzig,
daa kost'ra mindstns "fönfazwennzich".
De Grefflkostn, schwoorz lackiert,
is fein met Bilderna verziert,
vier Greffl denna, schöö gespetzt -
"Do schrieb me schöö", meent'e gewitzt.
Segoor die Fiewel is schö doo,
aa kennt die Buchstaam bis zun "o"!
Onn zur Vervollkommning des Ganzn
hott'e an laadern Bücherranzn.
Dan hot'na sei Tanta goor besorcht.
(Oh schlimma Zeit - aa is geborcht!)
Getaülich well de Jull ölls hütt,
onn fräät sich off die Zockertütt;
schlißt taachlich en's Gebaat miet ei:
"Goot, koom ich en die Schull ärscht nei!" -
Seit verza Toochna gätt de Jull
Tooch fer Tooch nu en die Schull.
"Gefellt diersch denn?" hoo ich gefreecht.
Do hot mei Julius los geleecht:
" Ich mach me fei g'rood net vill draus -
ich wellt, ich koom ärscht widder raus!"

Jetzt trink ich einen Tee aus meiner Glastasse. Cheerio!

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